Sagen (schreiben), was ist, wird die Welt verändern

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Mir platzt jetzt auch mal die Hutschnur. Immer mal wieder gehen ähnliche Dinge durchs Netz: Dass Bücher Rape Culture (Vergewaltigungskultur) verherrlichen oder Alkoholismus zu positiv dargestellt werde.

Nun möchte ich keines davon verherrlichen und schon gar nicht verharmlosen. Aber mal ehrlich: Nur weil man im Buch darüber schreibt, heißt man etwas ja nicht automatisch gut.

Sagen, was ist, wird die Welt verändern

Literatur hat meiner Überzeung nach zwei Möglichkeiten:

Die Realität darzustellen - und zwar so wie sie ist, ungeschönt. Mit allem, was dazugehört.

Und Auswege aufzuzeigen - Alternativen, Möglichkeiten.

Als Autorin habe ich immer die Wahl, wie ich mit solchen heiklen Themen umgehe.

Sagen, was ist, wird die Welt verändern - weil wir dann die Zusammenhänge verstehen und anders zu handeln in der Lage sind. Nun sollen Romane nicht unbedingt eine Lebensanleitung sein - aber sie können zum Denken anregen. Sollen sie sogar, dass ist Aufgabe der Literatur.

Das heißt für Autorinnen und Autoren: Zeigen, wie die Welt ist - im Rahmen der Handlung. Zeigen, was die Auswege sein können. Die Alternativen zum Ist-Zustand. Da stimme ich dem erwähnten Blog-Artikel zu, hier könnten wir vieles zeigen, was etwa in dem Fall Alkoholismus bedeutet: Eine Sucht, die das ganze Leben zum Negativen beeinflusst.

Zeigefinger runter!

Aber ich habe etwas gegen diese Forderung nach Moral. Literatur soll keinen erhobenen Zeigefinger beinhalten. Es ist doch wohl klar, wenn jemand zum Frühstück einen Klaren trinkt und keine Wohnung mehr hat, dass der dann ein Problem hat? Wollt ihr wirklich, dass dann noch jemand auftritt und sagt: "Tutu, lieber Alkoholiker, das macht man aber nicht! Hättest du mal früher was gecheckt, hättest du jetzt ein schönes Zuhause. Und jetzt mach brav einen Entzug!"

Wollt ihr das? Ehrlich?

Dann müsste ja in jedem Mordfall der selbe Zeigefinger erhoben werden: "Tutu, du böser Mörder, das war jetzt aber böse!"

Ich meine: Ernsthaft?

Wenn das die Zukunft der Literatur sein soll, dann hat mein Stil Pause ...

 

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Blogbeitrag von Franzi

Nachtrag 20. März 2018:

Hier auf dieser Liste werden Bücher thematisiert, die Missbrauch verharmlosen.

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